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Willkommen auf Knodge.eu, dem europäischen Knowledge Hub.

Das Interview: "Ein PDF steuert die Maschine"

Mareike (VBU) im Gespräch mit Markus Schulte-Huermann über die Zukunft adaptiver KI-Systeme.

Mareike

Hallo Markus, der KI-Markt wird von US-Giganten wie OpenAI oder Google dominiert. Warum braucht die Welt – und speziell die europäische Wissenschaft – eine Plattform wie Knodge?

Markus

Wir nutzen zwar die Engine von Google (Gemini), aber wir betreiben sie in einem isolierten Container – ähnlich wie Sie einen Ferrari-Motor in ein eigenes Chassis bauen können. In Europa fahren wir einen Ferrari anders und daher benötigen wir ein eigens Chassi.

Der fundamentale Unterschied ist: ChatGPT ist ein 'Alleswisser' für die breite Masse – toll für Gedichte, schlecht für Fakten. Knodge hingegen ist ein Präzisionswerkzeug. Wir bauen ein Betriebssystem, das Ihre eigenen Daten nutzt, um valide Antworten zu geben, statt das Internet zu halluzinieren.

Wir bauen mit knodge.eu ein Labor für spezifisches, vertrauliches Wissen. Es ist quasi ein Betriebssystem oder auch Second Brain - aber einfach mehr als nur ein Chatbot.

Mareike

In der Wissenschaft ist 'Halluzination' (erfundene Fakten durch KI) ein riesiges Problem. Wie stellt Knodge sicher, dass Forschungsergebnisse valide bleiben?

Markus

Wir raten nicht, wir suchen nur in deinen Inhalten. Dafür nutzen wir das RAG-Prinzip (Retrieval Augmented Generation). So können viele kleine, auf Evidenz basierende Hubs entstehen, deren Antwort quasi ein digitaler Lieferschein aus Metadaten, DOI usw. ist. Hier zählt nicht die schöne Formulierung – hier sind der Inhalt und die Quelle entscheidend.

Mareike

Sie sprechen vom 'Science Context Protocol' (SCP). Was genau bedeutet das für ein modernes Labor?

Markus

Das Thema treibt mich schon lange um. Der Durchbruch kam für mich mit einer Veröffentlichung der Universität Shanghai vom 30. Dezember 2025. Ich habe das Potenzial für die Robotik sofort erkannt. SCP ist das fehlende Bindeglied. Es ist ein Standard-Protokoll, das Daten nicht nur liest, sondern interpretiert, um Aktionen auszulösen. Stellen Sie es sich so vor: Bisher brauchten Sie einen Ingenieur, um dem Roboter neue Parameter zu geben. Mit SCP liest der Roboter das neue PDF-Protokoll selbst und justiert sich neu. Das PDF steuert die Maschine. Das ist der Schritt von 'Information' zu 'Instruktion.
Das klingt jetzt ersteinmal sehr abgehoben, übertrieben und gefährlich, aber ich denke, wenn man es etwas sacken lässt werden wir die Notwendigkeit begreifen. Wir müssen SCP global spezifizieren für Europa.
Es könnte zukünftig auch verwendet werden, um humanoide Roboter mit Wissen zu bestücken oder den Rahmen ihrer Aufgaben zu definieren. Im Groben gesagt: Ein PDF steuert die Maschine.

Mareike

Datenschutz ist in der EU und an Universitäten heilig. Viele Institute verbieten ChatGPT, weil Daten auf US-Servern landen. Wie lösen Sie das?

Markus

Oh ja – viele nutzen ChatGPT ohne Anmeldung und glauben dann, sie seien anonym. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Jede Anfrage in ChatGPT ist im Netz und potenziell einsehbar. Die IP-Adresse oder die Identifikation des Rechner-Chips bei anonymen Usern macht den Rest; eine Identifikation ist zu 99 % garantiert.

Bei Knodge.eu muss sich jeder mit einer E-Mail-Adresse anmelden – das ist alles. Nach der Anmeldung gibt es kein Tracking oder Ähnliches. Eine Anfrage an die KI läuft über Knodge.eu als Portalanfrage und ist vom User absolut unabhängig. Die KI von Google wird individuell für jedes Portal gestartet. Es gibt keine direkte Verbindung zwischen dem User und der KI. Alle Dokumente und Inhalte sind auf einem Bucket Storage in der EU abgesichert. Die Datenbank mit den Steuerungsparametern liegt auf einer ganz anderen Infrastruktur, und auch die eigentlichen Server werden absolut getrennt von den Daten betrieben. Alle Daten sind anonym und verschlüsselt abgelegt. Wir haben keine Passworte die weiter gegeben werden können und ein echtes single-sign-on für alle Nutzer.

Ich wüsste nicht, was wir noch tun könnten, um noch sicherer zu werden. Google sichert uns vertraglich die absolute 'Private Nutzung' zu. Das bedeutet technisch: Zero Logging, Zero Training. Ihre sensiblen Forschungsdaten werden niemals genutzt, um das KI-Modell für andere schlauer zu machen.

(Anmerkung: Über Knodge.eu können optional explizit PDF-Dokumente verkauft werden; diese bieten wir an und damit können dann gezielt Modelle trainiert werden, aber das ist ein separater Prozess).

Mareike

Forschung ist heute global und kollaborativ. Wie hilft Knodge dabei, Wissens-Silos zwischen Universitäten aufzubrechen?

Markus

Da arbeiten wir im Rahmen der Standardsierung im SCP. Wir nenne es die neue "Wrigge"-Funktion (Beta). Ein Beispiel - Die VUB kann ein Portal haben, das UKE Hamburg ein anderes. Ein übergeordneter Hub kann fragen: "Gibt es Widersprüche zwischen den Ergebnissen aus Brüssel und Hamburg?", ohne dass die Rohdaten kopiert werden müssen. Das ermöglicht Meta-Analysen in Echtzeit über Institutionsgrenzen hinweg. So machen wir passives Papierwissen zu aktiven Prozesssteuerung (SCP) und schaffen damit eine Antwort auf die Daten-Sorgen der Forscher. Private AI, kein Training. Wir wollen, dass Wissenschaftler weniger Zeit mit Suchen und Formatieren verbringen und mehr Zeit mit dem eigentlichen Entdecken. Knodge ist das Werkzeug dafür.

Mareike

Eine letzte technische Frage: Viele Einrichtungen haben extrem strikte Compliance-Regeln und dürfen gar keine externen Clouds nutzen. Sind diese dann von Knodge ausgeschlossen?

Markus

Nein, im Gegenteil. Das ist das Schöne an unserer Architektur: Knodge ist vollständig containerisiert.
Das bedeutet:
Wir bieten zwar unsere sichere europäische Cloud an, aber wir können eine Knodge-Instanz auch "On-Premise", also direkt im Rechenzentrum der Universität oder des Unternehmens, installieren. Sie betreiben das System dann komplett selbstständig. Und dank der "Wrigge"-Funktion können Sie diese lokale Insel trotzdem sicher mit anderen Partnern verbinden, wenn Sie das möchten. Ob in der Cloud oder im eigenen Keller – die Technologie bleibt dieselbe.

Mareike

Vielen Dank für das Gespräch, Markus.